Bonifatiusweg

Beschreibung

Der Bonifatius-Wanderweg

Länge: 10 Kilometer Dauer. 3 Stunden

Kurzwanderstrecke: 6 Kilometer Dauer: 2 Stunden

Festes Schuhwerk empfohlen. Rastgelegenheit am "Volapük-Platz". Bildstöcke zum Innehalten entlang des Weges.

 

Der Bonifatius-Wanderweg rund um einen der ältesten Orte des Frankenlands lädt in seiner wildromantischen Route dazu ein, das ganze Spektrum von Natur, Kultur und tiefverwurzeltem Glauben der hiesigen Bevölkerung hautnah zu erleben. Beginnend an der betont schlicht gehaltenen Barockkirche, die laut einer heute nicht mehr vorhandenen Inschrift von Pfarrer Humbertus aus dem Jahr 1330, unter König Pippin durch den Heiligen Bonifatius daselbst in „Sankt Martins Ehr“ geweiht worden sein soll. Diese gegen den Willen der Bevölkerung um 1790 unter dem heutigen Glockenturm vermauerte Inschrift war Anlass für den Heimat- und Kulturverein, diesen spirituellen Naturwanderweg zu erarbeiten und somit auch dem großen Missionar des Frankenlandes zu gedenken.

Gleich zu Beginn des Weges Ecke Brunnenstraße/Schulstraße kann man in einem Hinterhof das größte oberschlächtige Mühlrad Nordbadens bewundern. Schon 1330 wurde die „Mul zu Oberluden“ vom Kloster Gerlachsheim an König Ludwig den Bayern überantwortet.

Der Weg führt an vielen steinemen Bildstöcken entlang der Brunnenstraße, Schulstraße, Johann-Martin-Schleyer-Straße, Ritterstraße und des Rosenbergwegs hinauf in das Gewann „Langer Weinberg“. Dort geht es an alten, kleinparzellierten Weinbergsanlagen und Streuobstwiesen vorbei, welche durch eine große Artenvielfalt an Trockenhangbewohnern geprägt sind. Viele Kleinhabitate laden zum Hören. Sehen, Spüren und Verweilen ein.

Der Wanderweg verläuft ausgeschildert mit dem Bonifatiussymbol ca. 10 Kilometer (Kurzwanderstrecke 6 km) weiter an typischen Trockenmauem, Kiefernkopfwaldungen unter der musikalischen Begleitung der Feldlerche zum Wetterkreuz hin. Das sogenannte Wetterkreuz ist der höchste Punkt weit und breit und lässt an klaren Tagen einen Blick bis in den Spessart zu.

Herunter ins Tal entlang des Naturschutzgebiets Dittwarer Berg, an der „Bruder Konrads Kapelle“ vorbei läuft der Wanderer durch das Oberlaudaer Quellgebiet „Eierling“, welches zur Kühlung und Erfrischung einlädt. Mit dem Aufstieg vorbei am Naturdenkmal „siebenarmige Kiefer“ hoch zur Schlossberghütte hat der Wanderer einen schönen Blick auf Oberlauda und dessen reich strukturierte Kulturlandschaft. Riesig anmutende Waldameisenhaufen entlang des Weges weisen auf eine intakte Natur hin.

Dort angekommen kann man unterhalb in der bestehenden Geländeformation die Umrisse des ehemaligen Schlosses der Herren von Luden, welches in den Wirren des Bauernkrieges am 14. April 1525 in Brand gesteckt wurde, erkennen. Der bischöfliche Geschichtsschreiber Lorenz Fries beschreibt in einem Verlaufsbericht die letzten Tage des herrschaftlichen Schlosses und deren Bewohner, die dann vom Bauernhaufen in Bad Mergentheim in Festungshaft genommen wurden.

Weiter durch den kühlen Mischwald stößt man auf die „Lourdesgrotte“, welche im Jahr 1905 erbaut wurde und sich seitdem großer Beliebtheit erfreut. Mit dem Gebet in der Natur gelingt es, an diesem spirituellen Ort sehr gut inne zu halten und die Gedanken schweifen zu lassen. Weiter hinunter entlang des Kreuzwegs nähert man sich über die verwinkelte Obere Raingasse kommend wieder dem Ausgangspunkt des Weges. Das historische Gasthaus Engel lädt den durstigen Wanderer zum Getränk ein.

Die geschichtliche Bewandtnis

Über die Schicksale der Kirche von Oberlauda berichtete ehemals die Inschrift eines Steines in der Mauer beim Fenster der Kirche. Es stand da in barbarischen Versen:

Hanc aedem Martyr Bonifatius, Archisacerdos nempe olim Domino dicavit tempore, quo rex Pippinus vixit. Sub confessonis honore Martini veniam, qui petit, accipiat. Quam nunc instaurat Cunibertus, presbyter ecce nobilis instanti Ludovici tempore quinti. Anno MCCCXXX (Jahr 1330)

Eine spätere Urkunde besagt in der Hauptsache das Nämliche wie die lateinische Inschrift: „Im Jahr 752 ist die Pfarrkirche zu Oberlauda vom Heiligen Bonifatius eingeweiht worden.“

Der Stein an der Kirchenmauer lautet zu Deutsch:

„Die Pfarrkirche zu Oberlauda ist bei der Regierung König Pippin der Franken von Sankt Bonifatien in Sankt Martins Ehr geweiht worden und als sie von Alters wegen in Umbau kommen, bei Leben Kaiser Ludwigen durch einen Priester Cunibertum geheißen, wiederum erneuert worden, wie dann solches ob der Thür bemeldeter Pfarrkirchen in Stein gehauen ist, und also lautet, wie oben steht.“

Der Umbau geschah also im Jahr 1330. Im Jahr 1790 musste auch diese dritte Kirche wegen Baufälligkeit durch die jetzige vierte Kirche ersetzt werden. Damals wurde dieser interessante Stein gegen den Willen des damaligen Ortsvorstandes, ja gegen den Willen der ganzen Gemeinde, unter dem Haupteingang der Kirche, worauf der Turm ruht, unverletzt auf Befehl des Baumeisters vermauert. Der Stein, aus rotem Sandstein, ist etwa 4 Fuß hoch und 2,5 Fuß breit. So lang dieser Stein an der Kirchenmauer angebracht war (das heißt von 1330 bis 1790), soll die Jugend zu Oberlauda von Generation zu Generation aufmerksam gemacht worden sein, wenn je französische Kriegsvölker daher kämen, möge man deren Anführer auf die Inschrift des Steines hinweisen; man hoffte, der Name des berühmten Frankenkönigs werde ihnen Achtung einflößen und Kriegsgefahr abwenden.

Diese Geschichte war 1848 der Bevölkerung in Oberlauda noch geläufig.

Bei Erneuerungsarbeiten an der Kirche im Jahr 1880 ließ Stadtpfarrer Adam Halbig nach dem Steine suchen, jedoch ohne Erfolg.

 

Quellen:

Archiv Amorbach, Beschreibung Schuelengefällen des Ambts Lauda (Jahr 1669)

Stadtpfarrer Franz Römelt (Jahr 1783 bis 1816)

Ignatius Gropp „Würzburgerische Chronik“ II Band 23 (abgedruckt von Rappenegger 1848, Schriften des Altertums zu Baden und Donaueschingen II i. ST. 296)

Stephan Oehmann „Ein Beitrag zur fränkischen Geschichte Oberlauda“ von 1949