Heckfeld

Die Pfarrkirche St. Vitus

Die Kirche stand schon immer im westlichen Teil des Dorfes. Dr. Ehrenberger schreibt in „die Kunstdenkmäler des Großherzogtums Baden“ über die Kirche zu Heckfeld folgendes: „Die katholische Pfarrkirche (tit. S. Viti) ist ein Neubau, an Stelle einer im Jahre 1604 von Bischof Julius erbauten Kirche. Der vor dem Langhaus stehende Turm mit seinen schönen spätgotischen zweigeteilten Fenstern (sie saßen ursprünglich tiefer), hat beide Baulichkeiten überdauert und rührt noch von der ältesten Anlage her. Das Untergeschoß (besseres Mauerwerk) vielleicht noch romanisch. Das spätgotische Maßwerk in den Fenstern stammt aus dem alten Chor und Langhause (Mitteilung des erzbischöflichen Bauinspektors Maier in Heidelberg). Das oben an einer Ecke des Turmes eingemauerte Relief (Tierbild) gehört wohl der romanischen Zeit an, möglicherweise sogar römisch." Nach einer Beschreibung des Pfarrers Johannes Adamus Breitenbacher, soll die Kirche 1604 von dem Fürstbischof Julius allein, ohne weitere Beihilfe von Seiten der übrigen Decimatores erbaut worden sein. An diesem Ort stand sicher vor dem Bau des Gotteshauses ein kleines Kirchlein.

In einem Auszug aus der Pfarrbeschreibung  von 1669 heißt es: § 37  Die Pfarr wie gemeldet hat keine Filiale § 38  folgt die Pfarrkirchenbeschreibung § 39  ist die Kirche 55 Schuh lang und 23 ´ Breits § 40  der Altären sind drein § 41  sinnt alle gegen Orient gebaut § 42  ist keine Orgel vorhanden § 43  die Kirche ist gebauet von von Ihrer Fürstl. Gnaden Bischof Julius AO. 1604

Die heutige Pfarrkirche wurde 1894 erweitert.

(Quelle: Pfarr- und Ortschronik)

 

Die Orgel

Im Handbuch des Erzbistums Freiburg ist die Heckfelder St. Vitus-Kirche um 1604 datiert; 1894 wurde der Raum vergrößert und erhielt nach den Akten ebenfalls 1894 die Veit-Orgel. Es handelt sich hierbei um eine pneumatische Kegelladenorgel.

 

Hl. Vitus (Veit)

St. Vitus war ein junger Märtyrer Siziliens, berühmt durch seine Standhaftigkeit und seinen Glauben. Über sein Todesalter gibt es verschiedene Mitteilungen. Die einen gehen davon aus, dass er sieben Jahre alt wurde, nach anderen wurde er 14 Jahre alt. Er war zweifelsfrei eine leuchtende Heiligenfigur für die damalig

e Zeit. Vitus war ein gläubiger junger Mann. Der Glaube war ihm kostbar, keine Nebensächlichkeit. Aus dem Glauben lebend, war er nicht nur ein Beter, sondern viel auch ein Bekenner. Er wurde schon als Knabe ohne Wissen seines Vaters getauft. Als dieser es erfuhr, unterließ er nichts, um ihn wieder vom Glauben abzubringen. Vitu

s floh mit seinem Erzieher Modestus und mit seiner Kinderfrau Crescentia, die ebenfalls Christin war, nach Süditalien und Rom. Doch der Verfolgung konnten sie nicht entkommen. Vitus wurde von seinen Verfolgern in einen Kessel siedenden Öls geworfen, blieb jedoch unversehrt. Nachdem die drei nach Unteritalien zurückgeflohen waren, wurden sie wieder Opfer der Verfolgung. Nach der Überlieferung ereignete sich das um das Jahr 304. Vitus blieb seiner Überzeugung treu bis zum Tod.
Sein Leib wurde 756 in die Abtei St. Denis überführt. Von dort wurde er 836 in das Kloster Corvey an der Weser gebracht. Der Hl. Herzog Wenzel erhielt einen Arm des Märtyrers und baute ihm in Prag eine Kirche, aus der der heutige Veitsdom erstand. Kaiser Karl IV erwarb für Prag weitere Vitusreliquien in Pavia, ohne dass man für die Echtheit bürgen könnte. Aus Corvey wurden während des Dreißigjährigen Krieges die übrigen Reliquien des Hl. Märtyrers geraubt und nach Prag gebracht, so daß man in Prag stolz war, das ganze Vitusgrab zu besitzen. In Hunderten von Kirchen und Kapellen erwählte man Vitus zum Patron. Mehr als 34 Patronate waren dem Heiligen zu eigen, von den Apothekern, Brauern und Küfern bis zu den Stummen, Tauben und Erblindeten. Nach ihm benannte man auch die psychische Krankheit „Veitstanz“. Von Mönchengladbach und Höxter bis Ellwangen, von Niedersachsen bis Sizilien reichen seine Stadt- und Landespatrozinien.
Die zahllosen Darstellu

ngen gaben ihm oft den Hahn des verdrängten, slawischen Lichtgottes Svantivit mit, sie setzten ihm den Fürstenhut oder die Krone auf. Er steht in der Reihe der 14 Nothelfer und war lange Zeit Jugendpatron.

 

 

 

Der Altar, ein Symbol

Der Altar aus Sandstein wurde bei Miltenberg gebrochen und in der Werkstatt von Frido Lehr in Karlsruhe künstlerisch gestaltet. Das Ornament unter der Tischplatte steht mit dem Stil und dem neugotischen Maßwerk der Kirche im Einklang und stellt eine in Stein gehauene Dornenkrone dar. Der Altar steht -symbolisch- für Christus und die Krone windet sich um sein Haupt. Mit Eindringlichkeit vermittelt der Altar so das Bild des Kreuzesopfers Jesu. Jeder Gottesdienstbesucher, der beim Anblick des Altares das eucharistische Opfer mitgefeiert hat, kann aber auch sein eigenes Leiden mit dem Leiden Jesu Christi in Verbindung bringen.

 

Josefsaltar (von Thomas Buscher)

Die Heilige Familie zeigt sich wie im Leben, so auch im Schmerz vereint. Jesus, der Sohn, segnet den Vater. Maria die Mutter, kniet am Fußende der Lagerstatt, tief in das Leid verstrickt. Josef blickt auf, so als ob er sagen wollte: „Wohlan denn, meine Lieben, wie ihr stets gehorsam wart, so wirkt nicht nur, wie ihr es bei meiner Anwesenheit getan, sondern noch viel mehr jetzt bei meiner Abwesenheit euer eigenes Heil mit Furcht und Zittern. Dein Gott ist es, der in euch ebenso das Wollen, wie das Vollbringen schafft nach seinem Wohlgefallen.“ (Phil.2,12) Zitat aus „Chronik der Buscher-Brüder" von Heinz Bischof. 1896 wurde der Auftrag für diese Arbeit an den Künstler Thomas Buscher erteilt, finanziert wurde die Statue durch Spenden der Gemeindemitglieder.

 

Madonna (Bronzestatue)

Die Madonna ist eine Schöpfung moderner religiöser Kunst von H. Sonnleitner aus Würzburg. Sie versucht uns, das, was wir nicht mit den Augen sehen können, nahe zu bringen. Jeder, der in diese Gestalt betrachtend versunken ist, kann so z. B. über die Nähe Marias zu ihrem Sohn nachdenken, den sie hier als Kind sowohl beschützt als auch schon als den Herrscher der Welt präsentiert.

 

Fenster

Die Fenster stammen von der Heidelberger Glasmalerei P. Meysen, und sind küntlerisch gestaltet von Franz Dewald in Grötzingen.

 

Osterleuchter

Der Osterleuchter stellt eine ausbrechende Blüte dar. In den Blütenkelch gesenkt ist die Osterkerze mit der leuchtenden Flamme. Nach Christi Himmelfahrt wechselt die Osterkerze ihren Platz an den Taufortund steht neben dem Taufbrunnen. In die aufbrechende Knospe eines jungen Menschenlebens (in Körper und Geist) wird Christus eingesenkt. Die beiden Blütenblätter sind auch als schützende oder betende Hände der Eltern deutbar, die für ihr Kind betend die Hände erheben, um Glaube, Hoffnung und Liebe von Gott zu erbitten. Sind es nicht auch die Hände, die das „Göttliche“ im Kind schützen?
Bei den Seelenämtern steht die Osterkerze dann wieder neben dem Altar als Symbol für unseren Glauben an die Auferstehung. In diesem Zusammenhang kann die Knospe auf das neue Leben hinweisen, das unseren Verstorbenen verheißen ist.

Pfarrer Anton Spies, ein Märtyrer unserer Kirche

Am 19. April 1945 verstarb Vikar Anton Spies an Typhus im Konzentrationslager in Dachau, 3 Tage vor der ersehnten Befreiung durch die Amerikaner. Anton Spies, geb. am 24.11.1909 in Heckfeld, wurde 1935 zum Priester geweiht. Seine Vikarjahre verbrachte er in den Gemeinden Buhl bei Offenburg, Lauda, Distelhausen, Mudau und Ketsch. Aufgrund von Verleumdungen verschiedener nationalsozialistisch orientierter Schullehrer wurde er am 28.08.1940 zunächst in Ludwigshafen inhaftiert, am 02.09.1940 in Zweibrücken und im Oktober 1943 schließlich in das KZ Dachau abtransportiert. Während seiner Zeit in nationalsozialistischen Gefängnissen und Konzentrationslagern hat er nie gewankt in seiner Liebe und Treue zu Gott. Er war bis zum Tod ein stiller Dulder. Gottergeben und mutig trug er sein Schicksal.

Nähere Informationen erfahren Sie auch hier:

Text u. Bilder: N. Hönninger

 

Die Glocken in Heckfeld

Sie können die Glocken von St. Vitus in Heckfeld anhören, wenn Sie auf die Glocke klicken: