
Geschichtlicher Überblick
Das Dorf Gerlachsheim und seine Klöster
Zwei Kilometer nördlich von Lauda nimmt die Tauber die Grünbach auf. Im Talausgang des Grünbach liegt etwas zurückversetzt das Dorf Gerlachsheim, heute ein Stadtteil der Stadt Lauda-Königshofen im Main-Tauber-Kreis. Die ersten Spuren menschlicher Siedlungen gehen etwa auf das Jahr 2000 vor Christus zurück. Im Jahr 1950 stieß man bei Ausschachtungsarbeiten am "Hühnerberg" auf einen Siedlungsrest der Jungsteinzeit. Unter anderem fand man Teile von drei großen Vorratsgefäßen in fast zylindrischer Eimerform. Diese Tongefäße sind typisch für die Michelberger (so genannt nach dem ersten Fundort, dem Michelsberg bei Bruchsal), die mit den Schnurkeramiken am Ende der Jungsteinzeit 2000 - 1700 vor Chr. bei uns eingewandert sein müssen.
1957 fand man bei Grabarbeiten ebenfalls am Hühnerberg eine Siedlung aus der Hallstadtzeit etwa 1200-480 vor Christus. Über das Dorf Gerlachsheim gibt es kaum geschichtliche Quellen, da es stets im Zusammenhang mit den Klöstern von Gerlachsheim in Verbindung zu bringen ist. Erstmals wurde Gerlachsheim 1209 und 1221 in einer Urkunde im Zusammenhang mit einem hiesigen Adelsgeschlecht erwähnt. Der Ortsname dürfte wie alle "heim" Orte zu den früheren fränkischen Siedlungen aus dem 6. Jahrhundert zu zählen seien.
Das Dorf gehörte ursprünglich zur Herrschaft Zimmern-Luden (Lauda). Um das Jahr 1200 wohnten hier adelige Herren von Gerlachsheim in einem eigenen Schloss, die Ende des 13. Jahrhunderts vermutlich ausstarben.
Ein Klosterschreiber aus dem 18. Jahrhundert berichtet uns unter Berufung auf ein Rechts- und Wirtschaftsbuch aus dem Jahr 1582, dass in Gerlachsheim ein Nonnenkloster gewesen sei, das von dem Frankenkönig, Pippin dem Kurzen (751 - 768) gestiftet worden sei. Demnach hätte neben dem Liobakloster in Tauberbischofsheim, das von der heiligen Lioba und dem heiligen Bonifatius gegründet wurde, im 8. Jahrhundert ein Benediktinerkloster bestanden.
Als Standort des Klosters wird der Weiler Lützel-Luden, später auch Klein-Gerlachsheim genannt, am rechten Tauberufer, am heutigen Rückhaltebecken (Bahnübergang B 290) angenommen (Bei Ausschachtungsarbeiten am früheren Bahnhof wurden Mauerreste entdeckt.). Heute erinnert nur noch ein Steinkreuz mit der Inschrift "Veitskirchlein" an das frühere Kloster und die Klosterkirche St. Veit.
Die Verehrung des hl. Vitus scheint durch Adelheid von Luden, die aus Oberfranken stammte, zu uns gekommen zu sein.
1197 wird erstmals ein Nonnenkloster St. Mariae erwähnt (ein Prämonstratenserinnenkloster). Das Nonnenkloster St. Mariae verdankt seine erste urkundliche Erwähnung den Schenkungen Sibotos von Zimmern-Luden. Es waren Güter, die diesem entweder gehörten, oder die er eigens zu diesem Zweck 1197 erwarb (Güter der Herren von Gerlachsheim). Mit Siboto von Zimmern beteiligten sich auch die Eltern Siboto's von Luden.
1209 bestätigt der Würzburger Bischof Otto in einer Urkunde die Schenkung Sibotos von Zimmern von 2 Gütern in Gerlachsheim, einen Hof in Kützbrunn und den Wald in Buch (heute Staatswald) sowie Weinberge seiner Eltern von Luden an das Kloster Lützen-Luden.
1223 treten die Grafen von Rieneck nach dem Tod Siboto von Zimmern-Lauda dessen Erbe an (Graf Gerhard III von Rieneck war mit der Erbtochter des Sibotos von Zimmern-Lauda verheiratet).
Graf Ludwig von Rieneck und seine Gemahlin Adelheid, die zeitweise in Lauda residierten, stifteten 1228 ihre Güter Mutzenbrunn (ein Dorf auf der Höhe des Weinberges "Herrenberg" gelegen und im 30jährigen Krieg von den Schweden zerstört) dem Kloster. Als Zeugen für die Schenkung der Rienecks traten die Adeligen Ritter Heinrich Zobel aus Grünsfeld, ein Ritter von Gerlachsheim auf.
1240 verlegten die Nonnen ihren Sitz nach Lauda, da nach einem kirchlichen Erlass Frauenklöster nur in geschlossenen und befestigten Orten sein sollten.
1250 verlegten die Prämonstratenserinnen ihren Sitz in das befestigte Gerlachsheim und gründeten ein neues Kloster (Standort war das heutige Kreis-Pflege-und Altenheim und Pfarrkirche).
1254 wurde das Prämonstratenserinnenkloter (Praemonstratensis ordinis priorissa) mit allen Privilegien und Freiheiten des Klosters mit einer Urkunde von Papst Innocenz IV bestätigt. Die Verwaltung des Klosters wurde vom Mutterkloster Oberzell bei Würzburg (gegründet 1128) übernommen. 1302 bestätigte die letzte Urkunde die Verwaltung.
Durch die Grafen von Rieneck und Wertheim wurde das Kloster reich ausgestattet. Mehrere Gräfinnen von Wertheim wirkten segensreich als Vorsteherin und führten den Titel "Frau Meisterin".
1259 bestätigte eine Papsturkunde von Papst Innozenz den Bau einer romanischen Kirche "ecclesia S. Johannis Ev."
1297 kauft Graf Ulrich von Hanau alle Rechte vom Dorf Gerlachsheim und Kützbrunn vom Kloster. Die Adelige Hundlerin von Grünsfeld bürgt für den Grafen von Hanau. Prokurator der Hanauer Rienecker Urkunde ist Graf Rieneck für das Kloster.
1297 wird die romanische Kirche mit einem gotischen Seitenschiff erweitert. Die Kirche zählt nun 7 Altäre.
1319 erwarb Elisabeth, Witwe Gottfrieds von Hohenlohe, Tochter des Grafen Boppo von Wertheim von den Herren von Rieneck und Hanau zwei Drittel des Dorfes Gerlachsheim, um sie dem Kloster zu schenken. Nach und nach gelangte das Dorf Gerlachsheim ganz in den Besitz des Klosters. Schirmherr des Dorfes und Klosters mit landesfürstlicher Obrigkeit war die Herrschaft zu Lauda. Die geistliche Obrigkeit besaß Mainz.
1343 erhielt das Kloster die kaiserliche Bestätigung seiner Besitztümer und Zollfreiheit.
1347 wird die adelige Elisabeth Hundlerin aus Grünsfeld Meisterin im Kloster Gerlachsheim und 1428-54 die adlige Elisabeth Pfal, ebenfalls aus Grünsfeld.
1519 erhält das Kloster die Pfarrkollatur zu Gerlachsheim. Im Bauernkrieg 1525 im Mai desselben Jahres wurde „das closter in der ufrur aufrührerischer Bauern zerrissen, geplündert und versprend, darnach haben die closterfrauen wieder aine zeit in der Stadt Lauden ir wonung gehabt, bis inen wiederumb aine Behausung im Kloster ufgericht ist worden.“ Doch war der Besitz „sehr in Abwesen gekommen und die Wiederherstellung mangelhaft, so dass nur noch drei Schwestern das ganze Kloster bildeten“, weshalb der Bischof von Würzburg, Friedrich v. Wirsberg, 1563 das Kloster aufhob, die Verwaltung und Güter einzog, der Hofkammer zuwies, und den übriggebliebenen 3 Schwestern „den nötigen Unterhalt reichen ließ“.
1585 übernahm Würzburg von Mainz unter Bischof Julius die geistliche Obrigkeit vom Dorf Gerlachsheim, um sie später wieder an Mainz abzugeben. Bis zum 30-jährigen Krieg herrschten nun im Gerlachsheimer Kloster die Verwalter als Vögte des Fürstbischofs von Würzburg.
Von 1630 - 1634 hatte der Ort schwer unter schwedischer Besatzung zu leiden.
1656 unter Johann Phillipp von Schönborn, Bischof von Würzburg (1642 - 1673) und seit 1647 zugleich Kurfürst von Mainz wurde ein Austausch von Pfarreien zwischen den Diözesen vorgenommen, um damit die Überschneidungen von kirchlichen und staatlichen Grenzen zu beseitigen. Die Pfarrei Gerlachsheim und Kützbrunn sowie das Kloster kamen nun endgültig zur Diözese Würzburg. Die Pfarrei Gerlachsheim und Kützbrunn gehörten nun nicht mehr dem Kapitel Taubergau, sondern dem Würzburger Landkapitel Mergentheim an.
Nach dem 30jährigen Krieg, besonders Ende des 17. Jh. und im 18. Jh. war die Blütezeit des Dorfes Gerlachsheim. Durch den Weinhandel waren viele Bürger von Gerlachsheim zu Reichtum und Ansehen gekommen. Nach dem Motto "Reichtum verpflichtet", zeugen heute noch schöne Bildstöcke und Häuser in Gerlachsheim und im Weinberg von dieser Zeit. Einer der bedeutendsten Männer dieser Zeit war der Küfer und Weinhändler Johann Peter Buchler (1680 - 1747). Durch seine Niederlassungen in Augsburg, Antwerpen usw. trieb er Weinhandel in der ganzen Welt und dazu noch war einer der größten Weinhändler Europas. Von seinem Reichtum und Frömmigkeit sind heute noch steinerne Zeugen zu bewundern. So hatte er als Familiensitz das große Buchler'sche Anwesen in der heutigen Würzburger Str. (seit 1857 Weingut Günther) sowie ein zweites Anwesen (heute Haus Lender), ein drittes Anwesen (das ehemalige Gasthaus und Brauerei "Zum Stern") brannte vor einigen Jahren ab. Peter Johann Buchler stiftete auch einige Bildstöcke und eine Kirche. 1717 stiftete er den Um- und Neubau der Kützbrunner Kirche. 1750 beauftragte er den Bildhauer Johann Georg Paulus aus Mergentheim, die Brücke am Grünbach umzubauen und zu barockisieren (es wurden sogenannte Kanzeln an die Brücke aus dem 14. Jh. „?“ angebaut) und die Brückenheiligen (Hl. Nepomuk, Erzengel Michael, Hl. Burkhard und den Frankenheiligen, Hl. Kilian) geschaffen. 1741 stiftete er die Mater Dolorosa am Grünbach (Christus am Kreuz mit Pieta). Bildhauer war Anton Grimbach aus Bühlertann bei Ellwangen. Die Kreuzigungsgruppe im Friedhof ist die Ruhestätte von Magdalena und Johann Peter Buchler. Die Tochter Rosina hat hier als Maria und Sohn Michael als Johannes Modell gestanden. Das schönste Denkmal jedoch ist die 1751 von Martin Buchler gestiftete Freigruppe vor dem jetzigen Kreis-Pflege- und Altenheim. Es zeigt die Gottesmutter Maria von Steinbach als Trösterin der Betrübten (von Ferdinand Tietz) und zu Füßen der Gottesmutter den Stifter Martin Buchler, seine Ehefrau und Kinder (Bildhauer Anton Grimbach).
Mit dem Reichtum und Wohlstand der damaligen Zeit kam auch der Glaube und die Frömmigkeit in das Dorf Gerlachsheim zurück. So dachte man auch an die Wiederbesetzung des verwaisten Klosters. Für ein Wiederaufleben des klösterlichen Lebens sorgte der Abt des Prämonstratenserklosters Oberzell. Er erhob 1699 Anspruch auf die vom Würzburger Bischof Friedrich von Wirsberg 1563 eingezogenen Güter samt Kloster und Klosterkirche, was der Bischof von Würzburg jedoch strikt ablehnte. Es begann ein hartnäckiger Streit, der in einem Prozess endete, der durch alle Instanzen bis hin zum Papst und Kaiser ging. Am 20. Mai 1717 sprach Papst Clemens XI das Kloster Gerlachsheim samt Güter wieder dem Prämonstratenserorden zu, mit der Auflage, dort ein Priorat einzurichten. Kloster und Klosterkirche waren stark verfallen, so beschloss man, Kloster und Klosterkirche wieder neu zu errichten. 1717 - 1721 begann man am Ostflügel des Klosters auf den Grundmauern des alten Klosters dieses neu aufzubauen. 1723 - 173 0 wurde unter Abt Sigismund Hauck von Oberzell (1710 - 173 8) die Pfarr- und Klosterkirche Hl. Kreuz erbaut. Baumeister und Architekt war Pater Sebaldus Appelmann. Die Einweihung der Klosterkirche erfolgte am 17. September 1730 durch Weihbischof Dr. Bernhard Mayer (ein gebürtiger Laudaer).
1737 wurde das schöne barocke Pfarrhaus erbaut. Über dem Portal auf der Nordostseite befindet sich das Wappen des Abtes Sigismund Hauck. Unter diesem Abt wurden viele Kirchen gebaut, wie z.B. Krensheim, da Gerlachsheim hier Zehntherr war.
Nachfolger von Abt Sigismund Hauck (1710 - 1738) wurde Georg Fasel (1738 - 1747), danach Oswald Loschert (1747 - 1785) und danach bis zur Säkularisation Christoph Kroh (1785 - 1803).
Unter diesen Äbten wurden von Gerlachsheim aus mehrere Kirchen erbaut, da Gerlachsheim Zehntherr in vielen Gemeinden war wie z.B. Krensheim, Marbach und Kützbrunn.
Aus: Richard Bronold, Geschichtlicher Überblick über Dorf Gerlachsheim und seine Klöster, Festschrift zur Einweihung des neuen Altars in der katholischen Pfarrkirche Heilig-Kreuz in Gerlachsheim am 9. September 1990, Lauda-Königshofen: 1990, 30-34.
Weitere Informationen zur Klostergeschichte finden Sie hier:
http://www.kloester-bw.de/klostertexte.php?ungeteilt=&orte=&nr=739&thema=Geschichte
