
Ohne Geld, ohne Unterkunft, aber mit viel Vertrauen
06.06.2015 |
Acht Jugendliche aus sechs Gemeinden der Seelsorgeeinheit machten sich in den Pfingstferien als Jakobs-Pilger auf den Weg. Am Ende des Sonntagsgottesdienstes wurden die Pilgermuscheln und Pilgerstäbe gesegnet, bevor die Gruppe mit viel Abenteuergeist auf dem Jakobsweg lospilgerte. Hier ist ihr Bericht:
Dass wir auf Geld verzichteten (1 € pro Tag und pro Person war verabredet) und keine Unterkunft organsiert hatten, wurde schon am ersten Abend zur Herausforderung. Erst nach drei Stunden Suche in Bad Mergentheim öffnete sich eine Tür und wir durften im Jugendraum der Pfarrei übernachten. Einige aus der Gruppe hatten Erfolg beim Essen organisieren – drei Döner, ein paar übrige Steaks und Brot aus einer Gaststätte waren das Festmahl des Abends und die nötige Stärkung nach über 20 Kilometern. Aber auch die anderen Tage waren geprägt von der Erfahrung, dass Menschen eigentlich gerne helfen, aber nur, wenn sie Vertrauen haben. Zu einem Übernachtungsplatz in Honsbronn kamen wir, als eine Frau in der Bergkirche in Laudenbach eine Kerze anzündete und uns anbot, dass wir in ihrer Garage übernachten könnten. In Finsterlohr gab uns der Bäcker einen guten Tipp, wo wir fragen könnten und so durften wir im Dorfgemeinschaftshaus übernachten, wo wir einen großen Topf Spaghetti mit Ketchup kochten. Der Abend war gesellig und fröhlich, wie alle Tage, die wir unterwegs waren. Bei der heißen und sonnigen Schlussetappe, die uns bis nach Rothenburg führte, waren die Rucksäcke und das Unterwegssein schon so zur Gewohnheit geworden, dass wir am liebsten noch weiter bis nach Santiago gelaufen wären. Und tatsächlich: wir brauchten für die vier Tage auf der Pilgerschaft keinen einzigen Cent. Zur Belohnung verprassten wir alles, was übrig geblieben war, in einer Eisdiele in Rothenburg, und gönnten uns ein völlig überteuertes Spaghettieis.
Hier einige Originaltöne der Pilger:
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„Der Jakobsweg ist dort, wo wir gehen, nicht unbedingt wo die Schilder hängen.“
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"Darf ich den Roller da mitnehmen?“ Pfarrer: „NEIN!!!“ – „Ach bitte!“ – „Wir stimmen ab!“ – Ergebnis: 8 Gegenstimmen – 1 trauriger Pilger.
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„Ich finde es jeden Tag ein Abenteuer, sich voller Gottvertrauen auf das Ungewisse einzulassen“
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Polizist zu Moritz: „Du bist aber traumhaft“. Lucas: „Sagt sein Bewährungshelfer auch“
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„Es ist ein Unterschied, ob man blind hinterherläuft, oder ob man weiß, warum man das macht.“
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„Wir haben gelernt, dass man sogar ganz ohne Geld durchkommen kann, weil die Leute so freundlich sind.“





