Hier bin ich, Herr, vor dir, mit meinen leeren Händen

28.07.2025 |

Die Sitzplätze in der St. Jakobus-Kirche in Lauda reichten bei Weitem nicht aus: Unzählige Gläubige und Gäste aus nah und fern waren nach Lauda gekommen, um beim Abschiedsgottesdienst von Pfarrer Stefan Märkl und Pfarrer Ralph Walterspacher dabei zu sein, darunter auch Dekan Thomas Holler und weitere Kollegen und Weggefährten aus der gesamten Seelsorgeeinheit bis hin zu Vertretern aus Politik und Gesellschaft, darunter auch Bürgermeister Dr. Lukas Braun und Caritas-Vorstandsvorsitzender Michael Müller. Über 120 Ministranten waren beim feierlichen Einzug mit dabei und zeigten damit auch ihre Wertschätzung für die beiden Pfarrer.
 

Schon bei der Begrüßung brachte Pfarrer Walterspacher die Freude zum Ausdruck, dass so viele Menschen zu diesem Gottesdienst gekommen waren, und betonte den Wert des Gebetes. An den Eingängen hatten alle Gottesdienstteilnehmer ein Gebetsblatt mit zwei Gebeten erhalten, auf welche die beiden Pfarrer in ihrer Predigt eingingen. 
 
Pfarrer Walterspacher sprach über das Licht Christi und meinte in Anlehnung an ein Lied bzw. Gebet aus Taizé, es sei Aufgabe eines Seelsorgers zu helfen, dass das Licht Christi dahin kommt, wo es nötig ist. Dazu sei es für Seelsorger wichtig, auf Gottes Wort zu hören und Menschen zuzuhören. So hätten ihn etwa seelsorgerliche Gespräche selbst verändert und er sage auch den Gläubigen ganz bewusst die Worte Jesu zu: „IHR seid das Licht!“
 
Pfarrer Märkl erinnerte an seine Priesterweihe, als er zum Bischof sagte: „Hier bin ich“. In Anlehnung an das zweite Gebet auf dem Gebetsblatt betonte er, es gehe um die innere Einstellung, um die Bereitschaft, Gott alles zu geben. Wenn man das tue, müsse man sich keine Sorgen machen. Dann könne man wie in dem Gebet sagen: „Hier bin ich, Herr, vor dir, mit meinen leeren Händen.“ Man könne nichts und niemanden, der einem wichtig sei, festhalten, aber Gott schenke einem, was man brauche.
 
Beide Gebete hätten die Priester in diesen 12 Jahren begleitet und beide hatten den Eindruck, dass sich die Gläubigen darin wiederfinden.
 
Dieser Gottesdienst war auch musikalisch ein Genuss: So wechselten sich die KJG-Band „Lichtblick“ und der große Projektchor aus der gesamten Seelsorgeeinheit unter Leitung von Edith Lang-Kraft ab, an der Orgel begleitet von Anne Spinner und Lukas Kohler.
 
Sehr wehmütig wurde es zum Ende der Eucharistiefeier, als Gemeindereferentin Patricia Merkel sichtlich ergriffen ans Mikrofon ging: Anknüpfend an die Gebetsworte von Pfarrer Märkl ein: „Wir können es nicht fassen, es ist der Moment der leeren Hände“. Man hatte gehofft, dass der gemeinsame Weg noch länger gehen werde. Im Vertrauen in die Kraft Gottes bleibe nun nur noch die Bitte um den Segen. Diesmal sollten aber die beiden Priester den Segen von der Gemeinde erhalten, ausgesprochen von Gemeindereferentin Patricia Merkel. Als Geschenk erhielten die beiden Pfarrer jeweils eine Klangschale, die die Gemeinde mit guten Wünschen füllte, um alles in Gottes Hand zu legen.
 
Pfarrgemeinderatsvorsitzender Norbert Prause sprach das Gefühl der Dankbarkeit aus für viel Gutes und Wertvolles. Er dankte aber auch dem gesamten Seelsorgeteam und allen Haupt- und Ehrenamtlichen. Die Traurigkeit mache wehmütig, aber schmunzelnd meinte er, für viele Christen in der Seelsorgeeinheit gelte nun eine neue Zeitrechnung: nicht mehr „vor und nach Christus“ sondern „vor und nach Märkl und Walterspacher“. Trotzdem gehe der optimistische Blick in die Zukunft: der Glaube an Jesus Christus überwiege auch gegenüber den Dingen, die man nicht ändern könne. Der abschließende Beifall zeigte nochmals die Beliebtheit der beiden Seelsorger. Anschließend sollte der Empfang im Pfarrhof weitergehen, aber selbst der Himmel „weinte“ zum Schluss des Gottesdienstes so stark, dass die Grußworte (siehe gesonderter Artikel) in den Pfarrsaal verlegt werden musste.
 
Foto und Text: Kurt Baumann