Beeindruckendes Orgelkonzert an der Gerlachsheimer Seuffert-Orgel

22.09.2023 |

Zu einem besonderen Orgelkonzert anlässlich des 300. Jahrestages der Erbauung der Hl. Kreuz-Kirche hatte die Pfarrgemeinde Gerlachsheim in die ehemalige Klosterkirche geladen. Christian Abelein war der Einladung der Kirchengemeinde gerne gefolgt und spielte ein überragendes Orgelkonzert.

Eigens für diesen Abend wurde das zahlreich erschienene Publikum, darunter auch der ehemalige Generalabt der Prämonstratenser (2003-2018), Pater Thomas Handgrätinger, mit auf eine kirchenmusikalische Kreuzfahrt mitgenommen. Als Chefhostess und somit als Moderatorin des Abends führte in bewährter Manier Ulrike Lauer durch das Programm. Sie kontrastierte die einzelnen Orgelstücke mit witzigen Anekdoten und Anmerkungen und verband diese geschickt mit Episoden aus der Entstehung und Wirkungsgeschichte der Gerlachsheimer Kirche.
 
Das musikalische Konzertprogramm wurde mit D. Buxtehudes „Präludium in D-Dur“ eröffnet, das die Fülle der frühbarocken Kompositionstechniken gelungen vereinigt. Mit einer abwechslungsreichen Registrierung und seinem meisterhaften Spiel gelang es C. Abelein, die klangliche Fülle der Orgel zu präsentieren. Die beiden Choralbearbeitungen „Wo soll ich fliehen hin“ (BWV 646) und „Wer nur den lieben Gott lässt walten“ (BWV 647) wie auch die Fuge in g-moll überzeugten durch ihre je fein ausgewählten Registrierungen und durch ihr differenziertes und zugleich einfühlsames Spiel.
 
Man kann es fast als Zufall oder Fügung deuten, dass just im Jahre 1717, in dem der Würzburger Fürstbischof dem Prämonstratenserorden die Liegenschaften des Kloster Gerlachsheims zurückgab, A. Vivaldi sein Concerto in e (RV 275) komponierte. Der Weimarer Organist und Hofkapellmeister J. G. Walther, ein Musikerfreund Bachs, hatte dieses 3-sätzige Werk später für Orgel arrangiert und so fügte es sich deshalb gut in das weitere Konzertprogramm ein.
 
Felix Mendelssohn Bartholdy war einer der bedeutendsten Organisten des 19. Jahrhunderts und gilt als der Wiederentdecker der Musik J. S. Bachs. Seine sechs Orgelsonaten (op. 65) sind daher die Krönung Mendelssohnscher Orgelkompositionen anzusehen. Als diese 1845 veröffentlicht wurden, war das Gerlachsheimer Kloster bereits 40 Jahre aufgelöst. Die Sonate Nr. 2 in c-moll war daher passend gewählt und fügte sich ihre unterschiedlichen Teile gut in den weiteren Konzertverlauf ein. C. Abelein verstand es gekonnt, den vier Teilen durch Spiel und Registrierung eine eigene Note zu verleihen. Besonders beeindruckend war die mehrteilige Improvisation zum Kirchenlied „Ein Haus voll Glorie schauet“, die durch einen großen Zwischenapplaus gekrönt wurde.
 
Vor dem abschließenden Orgelstück dankte Dr. Andrea Decker-Heuer insbesondere dem Konzertorganisten des Abends, wie auch der Moderatorin.
 
Mit J. S. Bachs „ Dorischer Toccata“ klang ein vielseitiger und zugleich kurzweiliger Konzertabend gebührend aus, der durch einen fulminanten Applaus letztendlich gekrönt wurde. Bleibt zu hoffen, dass auch weiterhin solch schöne Konzerte wieder in Gerlachsheim möglich sein können.
 
Das Bild zeigt Christian Abelein an der Orgel, mit Ulrike Lauer, die als Registrantin und Moderatorin mitwirkte.