
Schnocke voran!...
19.02.2023 |
... hieß es nicht nur während der Predigt im Gottesdienst am Faschingssonntag in St. Mauritius, sondern auch nach der anschließenden Segnung des neuen Umzugswagens der Karnevalsgesellschaft Königshofen.
Liebe Schwestern, liebe Brüder,
der heilge Mauritius ruft uns wieder,
zum schönen Gottesdienst hierher,
fällt Manchem auch das Aufsteh‘n schwer.
Gereimt die Predigt, Satz für Satz,
ich hoff, sie ist nicht wieder für die Katz.
Der Königshöfer Schnockenverein,
ob alt, ob jung, ob groß, ob klein,
ob ausgeschlafen oder müde,
ob eher locker oder prüde,
man freut sich mal wieder auf eine Predigt im Reim,
denn so was kriegt man ja nicht, auf Netflix daheim.
Ich grüße die stadtbekannten Alltagssünder,
vom Turmberg oben die Gotteskinder,
dann gibt’s ja auch die ganz, ganz Frommen,
und die vielen von euch, die nur selten kommen,
Stammgäste aus dem Balbachtal,
sitzen oft weit hinten beim Abendmahl,
aber auch etliche Einheimische favorisieren,
die hintersten Bänke und wollen da frieren.
Ich versteh’s zwar nicht, was da hinten gefällt,
so weit weg vom Geschehen, in der Schattenwelt.
Hält man während der Predigt gern ein Schwätzchen,
ist es natürlich günstig auf den hintersten Plätzchen.
Aber wenn’s denn beliebt und der Seele frommt,
ist schon okay, ist ja schön, dass ihr kommt.
Die Heizung in diesem Jahr ist stark reduziert,
der Gasverbrauch schon fast halbiert,
drum denk ich mir heut was Besonderes aus,
eine Mitmachpredigt, das gibt Applaus.
Zur Erwärmung, hörte ich zumindest munkeln,
wollten einige heut bei der Predigt schunkeln.
Mal schauen, ob die Organistin einen Vorschlag hat,
und das Danklied spielt im Dreivierteltakt.
Hauptsache wäre, so würde ich sagen,
es kommen danach von euch keine Klagen,
man kann ja gern dicke Socken anziehn,
beim Beten mal Stehen, mal sitzen, mal knien.
Beim kräftigen Gesang, da übt man die Lunge,
die Atmung, das Hirn, die Stimme, die Zunge,
Beten, sich freuen, Musik – je ein Drittel,
sind für unsere Seele ein Lebensmittel.
Um eure Stimmen aber auch zu hören,
würd ich jetzt kurz die Bequemlichkeit stören,
ich ruf euch zu, ganz ungeniert,
und bin gespannt, was dann passiert,
so wie es schon seit Jahren Sitte,
hätt ich an euch eine freundliche Bitte.
also macht alle mit: Kinder, Katzen, Frau und Mann
zeigt, dass ihr wach seid – Schnocke voran!
Nun ist es sinnvoll, drum sind wir ja hier,
einen Blick zu werfen in das heil’ge Papier,
das Evangelium ist wieder hoch aktuell,
doch überliest man das wesentliche oft so schnell.
Es geht dem Herrn um Großzügigkeit,
wie wichtig die ist für die Menschlichkeit.
Wenn alle Leute nur ihre Rechte suchen,
bei jedem Streit gleich den anderen verfluchen,
nie irgendetwas dem anderen gönnen,
sich im Streit um das Erbe in der Familie verrennen,
das Prinzip ist Jesus nicht unbekannt,
drum ruft er ja auf zum Widerstand.
Schau mal zurück, wie war dein letzter Streit,
wahrscheinlich ging‘s ums Rechthaben in jeder Kleinigkeit.
Die Größe des Menschen liegt nicht im Krieg,
sondern dort, wo der Frieden gelingt, da ist der Sieg.
Und schließlich und endlich wird jeder mal stehen,
vor Gottes Gericht, und dann wird man sehen,
was für ein Leben es war, trotz allem äußeren Schein,
ob Putin oder Trump, da wird jeder wieder klein.
Und so wie es im Evangelium immer schon stand,
sind Reichtum und Macht nur nichtiger Sand,
aber Güte und Großzügigkeit, die du gegeben,
und noch mehr die Liebe, lässt dich ewig leben,
Nicht so wie vorher, mit Mühe und Mängeln,
sondern wunderbar schön, bei Gott und den Engeln.
Also wenn du betet hast, gelacht und geliebt,
die Seele kommt schnell ins Paradiesgebiet.
Ihr lieben Narren in der Kirchenbank,
ich hoffe, ihr beherzigt das, vielen Dank!
Und jetzt wäre es doch noch ganz gut,
ein wenig zu schauen, was im Ort sich so tut.
Auf dem Turmberg oben war ich erst spazieren
da erwischte ich die Chinesen beim rumspionieren.
Diesen Ballon hab ich eiskalt abgefangen,
einer Untersuchung unterzogen, einer stundenlangen,
hab ausführlich und genau analysiert,
was die Chinesen an Königshofen so interessiert.
Ihr wisst es ja selber, in China da war,
in Bezug auf den Nachwuchs lang alles klar,
nur ein Kind darfst du kriegen, das ist ein Problem,
weil jetzt sind’s zu viel Alte, echt unangenehm.
So schickten die Chinesen nach Königshofen den Ballon,
weil das das Altwerden hier kriegt eine neue Dimension.
Ein Altenheim wird da gebaut,
mit vielen Zimmern, hoffentlich wird’s nicht zu laut.
Mit Einkaufsmöglichkeit gleich beim Aldi,
plus Auslaufgebiet für den Dackel Waldi.
Die Firma Äckerle verdient ein gutes Geld,
ob man genug Pflege-Personal findet sei mal dahingestellt.
Ein guter Umgang mit den Senioren, ist keine Frage,
irgendwann trifft’s jeden auf seine alten Tage.
Aber was kommt danach? – das möchte ich bedenken,
die Aufmerksamkeit auf eine Entwicklung lenken.
Denn habt ihr gemerkt, dass am Ort hier besteht,
seit neuestem eine ganz schöne Sterbe-Solidarität?
Man hat den Eindruck, es wär ein neuer Brauch,
stirbt einer, sagt der andere: Das mach ich auch.
Zuerst, da meint man, sind sie alle noch fit,
aber wenn einer stirbt, machen gleich noch zwei mit.
Jede Woche wird einer beerdigt am Friedhof dort,
auf Dauer ist das nicht ganz so günstig für den Ort.
Von Bestattungen Ludwig wurde schon vorgestellt,
eine Urnen-Zehnerkarte für wenig Geld.
Oder Mitfahrgelegenheit im Leichenwagen,
da kannst du was sparen, lass dir das sagen.
Aber besser wäre es doch für den Ort,
um nicht auszusterben, etwas mehr Bewegung und Sport,
ja sogar ein Sterbeverbot wäre hier geboten,
zumindest bis im Mai wieder stimmen die Quoten.
Ich würde euch das wärmstens empfehlen,
ihr Königshöfer, bleibt am Leben, ihr würdet uns fehlen.
Über noch was wurde ich gebeten, was zu sagen,
nur zum Nachdenken, nicht um anzuklagen.
In der Anzeige liest man jetzt immer wieder,
„Beerdigung nur für die engsten Familienmitglieder“,
auch bei Leuten, die viel engagiert,
im Verein, der Feuerwehr, im Dorfleben integriert.
Bestimmt und sicher gibt es viele Gründe,
eine kleine Beerdigung ist ja auch keine Sünde,
aber mancher tut es doch sehr bedauern,
wenn man nicht dazu kommen soll, um auch zu trauern.
Ich wollte nur den Blick darauf lenken,
und euch bitten, einfach selber drüber nachzudenken.
Die Zukunft nehmen wir wieder in den Blick,
trotz Krieg, Katastrophen und aller Kritik,
„Gehet nicht auf in den Sorgen dieser Welt“
das ist unser Lied, von Jesus, unserm Held.
Wir sollten gerade in schweren Zeiten,
die Botschaft der Hoffnung noch mehr verbreiten.
Ich wünsche uns allen, ob nah oder fern,
gute Freunde, was zu essen, einen guten Stern.
Aber jetzt seid ihr lang genug gesessen,
sonst wird’s wieder zu spät fürs Mittagessen.
Die Predigt heut etwas länger war,
zum Glück kommt der Kollege im nächsten Jahr.
Nur ein letzter Tipp noch an die Narren,
die nachher noch segnen einen neuen Karren,
gleich im Anschluss draußen vor dem Portal,
mit gutem Weihwasser und schönem Choral.
Für die Fahrt damit ein guter Rat,
vom Bischof selber, aus dem Ordinariat:
„Befiel dem Herrn deine Wege, und sei ein guter Christ,
und meide schmale Stege, wenn du betrunken bist.“
So sag ich jetzt, ihr Herren und Damen:
Gelobt sei Jesus Christus, in Ewigkeit. Amen.
