
Das Daffeln rief zum Gebet des Herrn
29.04.2022 |
Nach der Corona-Pause ließen mehrere Gruppen der Kolpingfamilie den Brauch wieder aufleben und zogen mit Klappern durch den Ort. „Wenn an den Kartagen die Glocken nach Rom fliegen, übernehmen wir es, die Leute an die überlieferten Gebetszeiten zu erinnern“, sagte Berthold Ludwig. Zum Daffeln zogen die Gruppen durch den Ort. Der langjährige Vorsitzende der Kolpingfamilie Unterbalbach freute sich, dass es nach zwei Jahren Corona-Zwangspause endlich wieder möglich war, die Tradition fortzuführen. Und er erhielt Unterstützung. Der 17-jährige Manuel Kavcic kümmerte sich um die Kinder und Jugendlichen, während Ludwig die Gruppe der Erwachsenen leitete.
Mit Klappern, also Holzgestellen mit einem Klöppel, und mit lauten Holzratschen zogen die Gruppen durch die Straßen. „Die Leute auf die Gebetszeiten aufmerksam zu machen“, erklärt auch Kavcic die Tradition.
An den Kreuzungen wurde gesungen. Morgens heißt es, „Wir daffeln zum Ave Maria“, mittags „Wir daffeln zum Englischen Gruß, zum Zeichen, dass jeder Mensch beten muss“ und abends „Wir daffeln zum Abendgebet“. Dabei gibt es eine strikte Trennung: Morgens laufen die Erwachsenen, mittags und abends ist dann die jüngere Generation unterwegs.
Warum das so ist erklärte Berthold Ludwig. Die Jugendlichen wollten vor einigen Jahren nicht mehr die 6-Uhr-Schicht übernehmen. Also sprang er zusammen mit einigen Bekannten ein. Seitdem ziehen die Erwachsenen an Karfreitag und Karsamstag zum Ave Maria durch die Straßen und singen an den Kreuzungen ihr Marien-Lied mit mehreren Strophen. „Vor der Metzgerei Kern haben wir immer eine bestimmte Strophe gesungen“, erzählt er lächelnd. „Und das Wort ist Fleisch geworden“, heißt es da.
Froh war Ludwig, dass auch bei den Jüngeren der Sinn für diese Tradition trotz Corona geblieben ist. Denn Manuel Kavcic kam auf die Kolping-Verantwortlichen zu und hatte sich bereiterklärt, die Gruppe der Kinder und Jugendlichen zu leiten. „Ich habe selbst als Kind schon mitgemacht und fand das toll“, erzählte der 17-Jährige begeistert. Als nun die Chance bestand, den Brauch wieder durchzuführen, hatte er nachgefragt, wer verantwortlich ist. „Da es keinen gab, habe ich die Organisation übernommen“, ergänzte er. 17 Kinder und Jugendliche, darunter Ministranten und Erstkommunionkinder, waren insgesamt dabei. Er hofft, dass es im nächsten Jahr wieder mehr werden, und man – wie vor Corona – wieder auf über 20 Teilnehmer kommt.
Woher der Begriff „Daffeln“ kommt, weiß keiner der Organisatoren. „Bei uns heißt das schon immer so“, verweist Ludwig auf eine mehr als 100-jährige Tradition. In anderen Orten sei der Brauch als Kärren, Rätschen oder Klappern bekannt. Früher, so berichtete er von Aussagen des ältesten Unterbalbachers, seien nur Daffeln, also die Klappern verwandt worden. Der war vor mehr als 85 Jahren als Ministrant selbst an der Aktion beteiligt. Die Rätschen seien erst nach und nach dazu gekommen, als der Ort größer wurde, so der Unterbalbacher. Die Daffel-Instrumente seien von Generation zu Generation innerhalb von Familien weitergegeben worden. „Ich habe eine Rätsche gefunden, auf der fünf Namen vermerkt sind“, sagte Berthold Ludwig. Allerdings sei das Teil ausgeschlagen und daher nicht mehr funktionstüchtig, bedauerte er.
Ludwig, von 1985 bis 2015 Kolpingvorsitzender, war selbst schon als Kind beim Daffeln dabei. „Seit mehr als 50 Jahren gehört das für mich zum Osterfest dazu.“ Dabei wäre die Tradition vor mehr als 30 Jahren fast einmal eingeschlafen, erinnerte er sich. Damals waren die Ministranten im Ort fürs Klappern zuständig. Unter seiner Amtsführung als Vorsitzender der Kolpingfamilie wurde der Brauch dann zwei Jahre später als Aktion der Kolpingjugend wieder ins Leben gerufen und seitdem auch konsequent durchgehalten – bis auf die Corona-Zwangspause.
Die Unterbalbacher freuten sich. „Es wäre schade, wenn es das Daffeln nicht mehr geben würde“, findet Manuel Kavcic. Den Brauch halten alle beteiligten Gruppen aufrecht. Und nach dem morgendlichen Rundgang gab es bei einem der Teilnehmer zuhause ein Frühstück. „Das ist einfach schön, wenn man dann zusammen ist“, sagt Ludwig. Auch die Kinder und Jugendlichen trafen sich anschließend. Sie verteilten dann nach der letzten Runde an Karsamstag die Süßigkeiten, die sie von manchem Anwohner für das Singen bekommen hatten. Gerade die Älteren warteten schon auf die Sänger, freuten sich und schauten aus dem Fenster. Und einige gaben den Kindern Süßes mit. Beim Rundgang am Karsamstag sammelten die Jugendlichen auch Spenden, die in diesem Jahr an die Stiftung „Pro fratre et amico“ von Pfarrer Ralph Walterspacher und an die Erdbebenhilfe Chile, das Partnerland der Kolpingdiözese Freiburg, gehen.
Text: Diana Seufert, Fränkische Nachrichten


