Neugierig auf die Kirchengemeinde Lauda?

06.09.2024 |

Pater Joachim Seraphin (der künftige Leiter der Kirchengemeinde Lauda), Nicole Hennegriff (Mitglied der Projektleitung), Patricia Merkel (Gemeindereferentin) und Stefan Märkl (Pfarrer) freuen sich auf das Fest der Begegnung am Sonntag, 8. September in Assamstadt.  

Der Wandel in der Erzdiözese Freiburg ist nicht zu übersehen. Mit dem Projekt Kirchengemeinde 2030, das von Erzbischof Stephan Burger 2019 angestoßen wurde, will man katholisches Leben in der Gesellschaft entwickeln. In der künftigen Kirchengemeinde Lauda, die von Wittighausen bis Krautheim reicht, hat man sich schon viele Gedanken darüber gemacht. Die Gläubigen sollen sich und den künftigen Leiter der Kirchengemeinde, Pater Joachim Seraphin, am 8. September kennenlernen.
 
Neben einem Gottesdienst um 14 Uhr in der Assamstadter Pfarrkirche St. Kilian mit der Unterzeichnung der Gründungsvereinbarung wird es einen Begegnungsnachmittag geben. Beim ‚Markt der Möglichkeiten‘ stellen sich einige Gruppierungen mit Ständen vor. So sollen die verschiedenen Pilgerwege und Wallfahrten in den Blick gerückt werden. Für die Kinder ist beim Stand zum Schatzsuchergottesdienst einiges geboten. Man will das Wir-Gefühl stärken, neugierig auf den anderen machen, von den anderen lernen.
 
Papier erarbeitet.
„Der 8. September ist ein wichtiger Termin für uns. In einem Jahr geht es los mit der neuen Kirchengemeinde“, betont Pfarrer Stefan Märkl, der Koordinator des Projekts, bei einem Austausch mit Pfarrer Seraphin, Gemeindereferentin Patricia Merkel und Nicole Hennegriff, Mitglied der Projektleitung und Pfarrgemeinderatsvorsitzende aus Ravenstein.
 
Das letzte Jahr der Projektphase beginnt. Erarbeitet wurde das Papier zur Gründungsvereinbarung von der Projektleitung aus 24 Haupt- und Ehrenamtlichen der vier Seelsorgeeinheiten Lauda-Königshofen, Grünsfeld-Wittighausen, Boxberg-Ahorn und Krautheim-Ravenstein-Assamstadt und von den Pfarrgemeinderäten beschlossen. Wichtig waren den Verantwortlichen die Fragen nach dem Profil der Pfarrgemeinden: Wie wird sich kirchliches Leben gestalten, wie läuft es organisatorisch, wie geht es mit den Gottesdiensten weiter? Diskutiert wurde dabei auf Augenhöhe, wie Nicole Hennegriff unterstreicht.
 
Im Mittelpunkt der Überlegungen stehen die rund 20000 katholischen Christen der neuen Kirchengemeinde. „Es geht um die Menschen und das kirchliche Leben vor Ort“, unterstreichen die Verantwortlichen. Dass Pater Joachim Seraphin, der seit 24 Jahren im Taubertal lebt und bisher in Külsheim und Bronnbach für die Seelsorge zuständig war, in der Nähe ist und in die Projektgruppe eingebunden werden kann, sehen alle als großen Vorteil. „Ganz unbekannt bin ich nicht“, scherzt er.
 
Zeit zum Kennenlernen.
Hätte er gerne ein bestelltes Haus vorgefunden? Joachim Seraphin lacht. „Das Haus wird nie fertig sein.“ Die Vorbereitungen seien im Gange und bereits viel erledigt, aber es sei noch einiges zu tun. Auch er empfindet die Nähe zu Lauda sehr angenehm. Ihm werde das den Start in rund einem Jahr erleichtern – auch wenn es Zeit brauche, sich gegenseitig kennen zu lernen. „Es ist wichtig, die Denkweise vor Ort kennen zu lernen. Jede Kirchengemeinde ist anders“, sagt er. „Gemeinsam wollen wir ein Stück den Weg des Glaubens gehen, ihn stärken und feiern.“
 
Die Planungsphase hat vor mehr als zwei Jahren begonnen. „Es wird Zeit, dass sich die Menschen kennenlernen“, findet Gemeindereferentin Patricia Merkel. Dafür will man sich „interessant machen für den anderen, wie in einer Beziehung“. Denn genau darum gehe es für sie: Um die Beziehung zu den Gläubigen.
 
Die Kirchengemeinde müsse erlebbar werden. Und noch etwas ist den Verantwortlichen wichtig: „Wir nehmen die Ängste der Menschen ernst und wollen sie zerstreuen.“ Wenn die Gläubigen, die mit der Kirche verbunden sind, verunsichert werden, habe die neue Gemeinde keine Chance.
 
„Die Menschen sollen eine lebendige Kirche in sinnvoller Nähe finden.“ Die Befürchtung vieler, dass sich die Kirchen zurückzieht, hören sie von vielen Gläubigen. Das widerlegen die vier ganz deutlich. „Das kirchliche Leben vor Ort und mit den Menschen dort ist nicht gefährdet, es bleibt präsent – vor allem in den kleinen Orten“, betonen sie. „Es gibt gute Ideen und hochmotivierte Leute, das haben wir schon in der Projektgruppe gespürt“, sagen die Vier. Deshalb werde im jeweiligen Pfarrbrief über Interessantes aus den anderen Seelsorgeeinheiten informiert.
 
Zahl der Hauptamtlichen bleibt.
Die Zahl der hauptamtlichen Seelsorger werde unverändert bei zehn bleiben, informiert Märkl. Regelmäßige Gottesdienste werde es weiterhin geben. Den wöchentlichen Sonntagsgottesdienst könne man jedoch nicht überall anbieten – was aber bisher schon nicht möglich ist. „Bei 50 Kirchtürmen ist das nicht leistbar“, meint Märkl. Durch die Vernetzung gebe es aber sogar mehr Verantwortliche, die aushelfen können.
 
Auch bei den Pfarrbüros sind keine Änderungen geplant. „Zentralisiert wird nur die Verwaltung der Pfarrgemeinden, die Strukturen werden größer.“
 
Die große Einheit sehen die Vier als Chance. „Welche Angebote gibt es in anderen Orten, für die man auch mal ein paar Kilometer fährt? Welche Perlen haben wir in der Region?“ Ein dieser Perlen ist etwa die Kirche St. Gertrud in Hüngheim, laut Nicole Hennegriff die einzige in der ganzen Erzdiözese, die Gertrud geweiht ist.
 
Deshalb ist die Gründungsvereinbarung kein Visionspapier mit hochgesteckten Zielen und großartigen Gebilden, sondern bodenständig, um die Menschen mitzunehmen. Zu den Werten zählt neben dem Leben aus den Sakramenten und der Verkündigung des Evangeliums auch ein fairer Umgang. „Entscheidungen werden transparent getroffen, sowohl mit Blick auf die Situation vor Ort als auch auf die ganze Kirchengemeinde“, erklärt Pfarrer Märkl. Hinschauen, wo Veränderungen sinnvoll sind, aber auch sehen, was die Menschen vor Ort brauchen: So sieht die Projektgruppe ihren Auftrag und die Zukunft der Kirchengemeinde.
 
Die Projektgruppe hat sich viele Gedanken gemacht und will den Gläubigen Vertrauen in das neue Gebilde Kirchengemeinde Lauda mitgeben. „Ängste werden bleiben, das braucht Zeit“, wissen die Vier. „Wir brauchen ein gemeinsames Denken für das Ganze, das die Kirchengemeinde tragen kann“, so Pater Seraphin. Hilfreich ist dabei, dass die Gemeinde dem früheren Dekanat Lauda entspricht. „Wenn alles klappt, gibt es künftig viele Möglichkeiten, den Glauben zu feiern und Gemeinschaft zu erleben. Dann werden wir als Christen weiter strahlen.“
 
Foto und Text: Diana Seufert