Das Kinderhaus St. Marien über 45 Jahre geprägt

06.10.2022 |

Für Leonore Herschlein stand das Wohl der Kinder stets im Mittelpunkt ihrer beruflichen Tätigkeit. Die langjährige Leiterin des Laudaer Kinderhauses St. Marien wurde nun nach 47 Jahren prägender Zugehörigkeit in den wohlverdienten Ruhestand verabschiedet. Zum Abschied brachten Bürgermeister Dr. Lukas Braun und Pfarrer Walterspacher ihre große Wertschätzung für die geleistete Arbeit zum Ausdruck und wünschten der neuen Leiterin Gudrun Stein einen erfolgreichen Einstand und für die Zukunft alles Gute.

Sensibel auf die individuellen Bedürfnisse von Kindern eingehen, das war Lenore Herschlein stets eine wichtige Angelegenheit. Seit 1975 – erst als Praktikantin, dann in Festanstellung – prägte sie das Kinderhaus St. Marien in vielfältiger Weise. An die damals gebräuchliche Anrede als „Tante Leonore“ und die Kittelschürze als Arbeitskleidung musste sie sich zunächst anfangs zwar erst noch gewöhnen, wie sie gestand, doch schnell wuchsen ihr die Einrichtung und die Kinder ans Herz. Dass ihr mit Schwester Helmtrudis eine anerkannte Persönlichkeit zur Seite stand, die sie schnell mit der Einrichtung und ihren Abläufen vertraut machte, erleichterte Leonore Herschlein den Einstieg.
 
Als mit der Zeit die Verantwortung wuchs und sie die Kindergartenleitung übernahm, bewies die Erzieherin stets Weitblick und entwickelte eigene Lösungsansätze, etwa wenn es um die Erweiterung der Betreuungszeiten oder um die Frage nach mehr Flexibilität ging. „Der pädagogische Ansatz von damals hat sich verändert“, berichtete Leonore Herschlein im Rückblick. So seien verlängerte Öffnungszeiten noch vor zwanzig Jahren kaum nachgefragt worden. Auch die Kinder hätten sich in all den Jahren verändert. „Da die Welt sehr unruhig geworden ist, gilt es umso mehr, im Kindergarten eine Verlässlichkeit zu schaffen“, ist die langjährige Leiterin überzeugt, auch wenn die quantitative personelle Ausstattung in heutiger Zeit eine Herausforderung darstelle. Um den Herausforderungen einer diversen Gesellschaft zu begegnen, richtete Leonore Herschlein 2005 einen internationalen Spieletreff für Stadtverwaltung Lauda-Königshofen Menschen mit Migrationshintergrund ein.
 
Bewährte Werte in die Gegenwart übersetzen
„Die christlichen Werte selbstbewusst ins Heute übersetzen – in eine Gegenwart, die nicht mehr überwiegend christlich geprägt ist, das war Leonore Herschlein stets ein wichtiges Anliegen“, lobte Pfarrer Walterspacher. Anknüpfungspunkte hierfür seien beispielsweise Gottesdienste, Feiertage wie Ostern und Weihnachten oder bei Kindern beliebte Bräuche wie Erntedank und der St.-Martinstag gewesen. Denn frühkindliche Bildung sei der Schlüssel für spätere Bildungsperspektiven, so Walterspacher. „Leonore Herschlein wurde diesem hohen Anspruch knapp fünf Jahrzehnte lang in vorbildlicher Weise gerecht. Auch über die Einrichtung hinaus engagierte sich Leonore Herschlein für das Berufsbild, etwa wenn sie bei vielen Angelegenheiten auf politischer Ebene dachte. Wir werden sie sehr vermissen“, fügte der Pfarrer hinzu. „Gleichzeitig sind wir froh und dankbar, dass wir eine erfahrene Nachfolgerin für die Aufgabe gewinnen konnten“, brachte Pfarrer Ralph Walterspacher seinen Dank zum Ausdruck.
 
Bürgermeister Dr. Lukas Braun zeigte sich ebenfalls dankbar für das Geleistete und erfreut, dass Leonore Herschlein mit so großer Begeisterung von ihrem Aufgabenfeld spricht. Das sei ein ausgezeichnetes Merkmal, dass sie voll und ganz mit ihrem Beruf identifiziert habe. Ihre Verdienste zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf seien hoch zu schätzen. Die gelungene Übergabe bezeichnete das Stadtoberhaupt indes als ideale Voraussetzung für Kontinuität. Die Stadt Lauda-Königshofen habe den Kindergarten in den vergangenen Jahren gerne organisatorisch unterstützt und deshalb freue man sich, dass ein fließender personeller Übergang erzielt werden konnte, so die städtische Fachbereichsleiterin Sabine Baumeister, die u. a. für das Kindergartenwesen zuständig ist.
 
Von Adelsheim nach Lauda-Königshofen
Dass die „Neue“ gar nicht mal so neu ist, bemerkte Ulrike Merkert von der Verrechnungsstelle für katholische Kirchengemeinden in Tauberbischofsheim. Schließlich absolvierte Gudrun Stein bereits vor rund dreißig Jahren ein Praktikum im Kinderhaus St. Marien. Sieben Jahre wirkte sie als Gruppenleiterin in Eppelheim, zuletzt 16 Jahre im Don-Bosco-Kindergarten in Adelsheim. Viele Verbindungen haben sie ins Taubertal geknüpft und dann immer wieder gepflegt. Die damaligen Berührungspunkte mit dem Kinderhaus St. Marien und die damit verbundenen positiven Erfahrungen waren es auch, die Gudrun Stein den Wechsel erleichterten. Bei ihrer neuen Aufgabe möchte sie vor allem sensibel auf die individuellen Bedürfnisse der Kinder eingehen, soziale Werte vorleben und Verantwortung tragen. Insofern versteht sich Gudrun Stein als Brückenbauerin, die dem gesellschaftlichen Auftrag gerne nachkommt, junge Kinder zu bürgerschaftlichem Verantwortungsbewusstsein zu motivieren. Verschiedene Ideen hat sie schon, wie der Herbst sinnvoll genutzt werden kann. So möchte sie bewährte Rituale pflegen und die bevorstehenden Feste des Kirchenjahres gebührend feiern. Die Kinder aus dem Kinderhaus St. Marien dürfen sich jedenfalls auf einen vielfältigen Herbst freuen.
 
Text und Foto: Christoph Kraus, Stadtverwaltung Lauda-Königshofen