
Marienkirche

Zur Baugeschichte

Die Marienkirche, früher auch Kirche „Unserer Lieben Frauen“ genannt, steht im 1542 angelegten alten Friedhof. Sie wurde auf ausdrückliches Begehren des Würzburger Fürstbischofs Julius Echter von Mespelbrunn im so genannten „Juliusstil“ mit spitzem Turm und prächtigem Nordportal errichtet. Es ist von dem bedeutenden Forchtenberger Bildhauer Michael Kern aus Muschelkalk, mit beidseitigen Säulen, gekröpftem Gesims und rechteckigem Aufsatz gestaltet. Darin befinden sich die Wappen der Bischöfe Julius Echter (drei Ringe mit Schrägbalken) und Gottfried von Aschhausen, der ab 1609 Bischof von Bamberg und von 1617 bis 1622 zusätzlich Bischof von Würzburg war und den Bau finanziell unterstützte (das Rad als Stammwappen derer von Aschhausen und den Löwen als Wappentier des Hochstiftes Bamberg). Gottfried wurde 1575 in Oberlauda geboren. Sein Vater Götz von Aschhausen war Oberamtmann in Lauda. Links vom Portal liest man die Bauinschrift von 1613. Eine Gedenktafel rechts vom Haupteingang zeigt die Familie Ochs-Beil mit dem Gekreuzigten und den Wappen Ochs und Beil.
Die Innenausstattung
Der von außen schlichte Bau entfaltet seine Pracht und Schönheit erst im Innenraum. Besonders festlich wirken die Stuckverzierungen im Chorgewölbe und an den Kapitellen der Pilaster des Kirchenschiffes. Rokokovasen auf den Kapitellen stellen die Verbindung zwischen Wand und Decke her. Die wunderbaren Stuckelemente im Rokokostil von 1767 stammen - wie die in der Stadtkirche St. Jakobus - von Thomas Schaidthauf. Zu verdanken ist dies dem kunstsinnigen Dekan und Pfarrer Nikolaus Geißel, von 1756 bis 1783 Pfarrer in Lauda. Der Schlussstein im Chorgewölbe weist auf den Erbauer Julius Echter hin.

Am Schlussstein des Chorbogens sieht man das farbig gestaltete Wappen des Fürstbischofs Adam Friedrich von Seinsheim (Bischof von Bamberg und Würzburg, 1755 bis 1779). Dargestellt sind zwei springende Löwen als Wappentiere des Bamberger Hochstiftes, überdeckt von silberner Schrägleiste,} der Fränkische Rechen für das Herzogtum Franken und das Rennfähnlein für das Hochstift Würzburg. Im Herzschild befindet sich das Stammwappen der Seinsheim.

Der barocke Hauptaltar stammt vermutlich von dem gebürtigen Oberpfälzer Johann Doser. Im Retabel wird das vierte und fünfte Gesätz des Glorreichen Rosenkranzes dargestellt, die Aufnahme Mariens in den Himmel und ihre Krönung. Hinter einem gerafften Vorhang schwebt Maria himmelwärts der Heiligen Dreifaltigkeit entgegen. Im Auszug halten Engel die Krone für sie bereit. Die linke Assistenzfigur die heilige Barbara mit Kelch und Schwert in den Händen vor einem angedeuteten Turm. Nach der Legende wurde sie von ihrem Vater enthauptet. Sie gilt als Schutzheilige der Bergleute, der Artilleristen und anderer Berufsgruppen. Sie zählt zu den 14 Nothelfern. Rechts im Hauptaltar steht die heilige Katharina von Alexandria mit dem Rad als Hinweis auf ihren Märtyrertod. Sie gehört ebenfalls zu den 14 Nothelfern. Die geschnitzten Kerzenhalter zu beiden Seiten des Tabernakels sind Arbeiten des Bildhauers Georg Winterstein. Den Tabernakel selbst schuf Anton Herbith aus Karlstadt am Main.

Die ebenfalls aus der Rokokozeit stammenden schräg gestellten Seitenaltäre stehen in ihrer künstlerischen Qualität nicht hinter dem Hochaltar zurück. Der rechte Seitenaltar mit der Statue des heiligen Josef ist wahrscheinlich ein Werk des Bildhauers Anton Grimbach aus Bühlertann. Der Nährvater Jesu trägt das Jesuskind auf dem Arm und eine Lilie in der rechten Hand und ist von Putten umgeben. Über dem Kopf des Altares steht der Erzengel Michael als Vorbote des Jüngsten Gerichtes mit der Waage (Seelenwaage) und dem Flammenschwert (Bezwinger Satans). Der linke Seitenaltar mit seiner sarkophagähnlichen Form trägt ein Kruzifix (1887 von Julius Seitz aus München), das zur Rechten und Linken je von einem Engel flankiert ist. Der pyramidenförmige Aufsatz trägt eine Graburne. Wahrscheinlich handelt es sich um einen so genannten Gedächtnisaltar, wie das Wappen am Fuß der Grabpyramide vermuten lässt. Das steigende Pferd im roten Feld ist das Zobelwappen. Den Mann mit der Keule führte die Frau eines Zobels im Wappenschild. Die Adelsfamilie Zobel aus Giebelstadt war einst in Lauda reich begütert. Der angerissene Schuldschein über 10000 TALENT zu Füßen des Gekreuzigten stellt eine Allegorie dar. Die Menschheit stand wegen ihrer großen Sündhaftigkeit in unendlich hoher Schuld bei Gott. Nun hat Christus durch seinen Opfertod am Kreuz diesen Schuldschein gleichsam eingelöst.
Die Renaissancekanzel aus Sandstein stammt noch aus der Echterzeit. Der Kanzelstuhl ruht auf den Schultern des Mose, der die Gesetzestafeln in seinen Händen hält. Das Geländer des Aufgangs zeigt die Reliefs der Apostel Petrus, Paulus und Johannes, während die Kanzel selbst die Darstellung der vier Kirchenväter Gregor, Ambrosius, Augustinus und Hieronymus trägt. Die Empore stammt in ihrer Form aus der Renovation unter dem aus Tauberbischofsheim stammenden Pfarrer Adam Halbig (in Lauda von 1872 bis 1899). Das Orgelprospekt ist aus der Barockzeit. In dieses Gehäuse baute Orgelbaumeister August Laukhuff aus Weikersheim 1888 eine neue Orgel ein.

Das monumentale Deckenfresko von Waldemar Kolmsperger (1887) stellt wie schon das Ensemble des Hauptaltars die Himmelfahrt Mariens dar. Die Gottesmutter schwebt aus dem Grab, dem der Legende nach Lilien entsprossen, von Engeln geleitet, der Heiligen Dreifaltigkeit entgegen. Zur Linken verfolgt die Schar der Apostel mit Ergriffenheit und Erstaunen das Geschehen. Vor der Silhouette des Petersdomes kniet rechts mit gefalteten Händen der heilige Petrus mit dem Porträt des Papstes Leo XIII. Neben ihm steht der Apostel Paulus mit dem Gesicht des damaligen Freiburger Erzbischofs Johann Christian Roos. Die elf Medaillons in der Hohlkehle, ebenfalls von Kolmsperger, stellen die architektonische Verbindung zwischen Decke und Wand her. Der Künstler hat aus der Fülle der jüdischen Geschichte Begebenheiten ausgewählt, die als uralte Hinweise auf die Gottesmutter zu werten sind. Die Beschreibung der einzelnen Medaillons finden Sie in „Die Brücke Nr. 8“, Schriftenreihe des Heimat- und Kulturvereins Lauda e.V. Die drei großen Wandbilder mit Motiven aus dem Leben Marias wurden ebenso von dem bereits erwähnten Kolmsperger (signiert WK 1887/1888) gemalt. Das Bild über der Sakristei zeigt Maria als Zuflucht der Betrübten, als Mutter aller Verlassenen in ihrem Jammer und Elend.

Über der Südtüre hat der Maler die Geburt Jesu und die Anbetung der Hirten dargestellt, ein Bild voll warmer Herzlichkeit, Marias größte Freude. Beim Verlassen der Kirche fällt der Blick des Betrachters auf Maria, die Schmerzensmutter mit ihrem toten Sohn auf dem Schoß. Auch im tiefsten Leid darf der Mensch nicht an seinem Schicksal verzweifeln. Bei der letzten Renovierung 1966 unter Dekan und Ehrenbürger Richard Mohr wurden die drei Grabsteine der Familie Ochs (Vater +1584, Mutter +1590, Tochter +1585, Konrad Ochs war von 1577 bis 1581 Amtskeller in Lauda) von der Außenwand der Kirche entfernt und an die innere Westwand gesetzt. Die Turmspitze erhielt durch den Heidelberger Künstler Harry MacLean eine Madonna mit Kind im goldenen Strahlenkranz. Der künstlerisch wertvolle Kreuzweg in der Friedhofsmauer wurde 1782 von dem bereits erwähnten Bildhauer Georg Winterstein geschaffen. Durch Witterungs- und Umwelteinflüsse wurde der gelbe Sandstein stark in Mitleidenschaft gezogen. Um ihn vor dem endgültigen Verfall zu bewahren, wurde er 1988 auf Initiative des Heimat- und Kulturvereins Lauda mit finanzieller Unterstützung der Stadt, vieler Bürger und des Landesdenkmalamtes restauriert. Die 14 Kreuzwegstationen werden ausführlich beschrieben im Buch „Bildstöcke - Kreuze und Madonnen, Steinerne Zeugen der Volksfrömmigkeit“, herausgegeben 1984 vom Heimat- und Kulturverein Lauda e.V.
Text: A. Schreck Bilder: G. Besserer